Magermodels in Frankreich verboten

Die Franzosen sind schon immer für ihre obskuren Verbote und Gesetze bekannt. Nun lag das Thema Magermodels erneut zur Vorlage als Diskussion. Dabei stimmte die Nationalversammlung gegen Magermodels. Demnach sollen „extrem“ dünne Models künftig in Frankreich auf dem Laufsteg verboten werden. Stark unterernährte Frauen und Männer dürften künftig nicht mehr als Model arbeiten, sofern dieser Vorlage wirklich zum Gesetz wird. Damit wagt sich Frankreich weit hinaus. Die Vorlage wird nicht nur in der Modebranche, sondern auch in vielen anderen Ländern stark kritisiert. Eine Lösung der eigentlichen Probleme ist das nicht. Doch wann ist ein Model zu mager und wann nicht? Eine Frage, die eigentlich nicht per Gesetzesvorlage zu klären ist. Maßgabe für die Beurteilung soll der Body-Maß-Index sein. Doch dieser steht seit vielen Jahren selbst in der Kritik. Die Angaben sind oft viel zu ungenau, als Rückschlüsse ziehen zu können. Es wird gemutmaßt, das damit die Sozialisten in Frankreich sich noch einmal Luft verschaffen wollen und so mit einem in der Öffentlichkeit breit pulsiertem Thema Aufsehen erregen möchten. Die Forderungen der Sozialisten in Frankreich zu dem Verbot von Magermodels klingen wie ein schlechter Aprilscherz. So wird sogar von Gefängnisstrafen und Geldstrafen bis zu 75.000 Euro gesprochen.

Magermodels – Eine schwierige Diskussion

Mit der jetzigen Gesetzesvorlage dürften die Sozialisten in Frankreich erneut das Maß aller Dinge deutlich aus den Augen verloren haben. Einer solchen Gesetzesverabschiedung käme eine Diskriminierung gleich und würde absolut nicht die eigentlichen Probleme lösen. Mitte April soll sich entscheiden, ob die Vorlage zu den Magermodels tatsächlich als Gesetz verabschiedet wird. Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Wann ein Model als Mager zu bezeichnen ist, sollen Experten künftig bestimmen. Dabei soll nach dem Body-Maß-Index eine Untergrenze festgesetzt werden. Ob das wirklich mit dem EU-Recht zu vereinen ist, stellt sich zudem in Frage. 75.000 Euro soll die Geldstrafe betragen, für Modelabels, die Magermodels beschäftigen. Bzw. bis zu 6 Monate Gefängnis könnten verhängt werden. Hier wird aber vergessen, warum Models oft so dünn sein sollen. Eine Lösung mittels eines Verbots von Magermodels ist mit Sicherheit der falsche Weg.

Zudem würden sich hierbei zwei Sachen vermischen. Magersucht kontra schlanke Models. In der Modebranche gibt es viele schlanke Models, die jedoch nicht magersüchtig sind.

Magermodels und Magersucht ein schwieriges Thema

Die Gesetzesvorlage in Frankreich täuscht über das eigentliche Problem hinweg. Auf der einen Seite erschrecken uns Stars wie Victoria Beckham und besonders extrem dürre Models. Auf der anderen Seite sind schlanke Models zu sehen, die zwar dünn sind aber nicht magersüchtig sind. Mit dem neuen Gesetzentwurf gegen Magermodels wird beides über einen Kamm geschert. Interessant ist, dass Magersucht fast nur ein Problem in den Industriestaaten ist, kaum aber in Entwicklungsländern. Dort ist das Phänomen nicht bekannt. Das Problem der Magersucht hat in den letzten 3 Jahrzehnten nur geringfügig zugenommen. Epidemiologische Erhebungen gibt es seit den 1960er Jahren. Neu allerdings ist, dass vor allem junge Frauen früher an Magersucht erkranken. Auf etwa 20 Frauen kommt ein Mann. Magermodels, wobei hier dünne und dürre Models oft miteinander vermischt werden, sind nicht eigentlich gar nicht das Problem. Vielmehr liegt es darin, dass Essgestörte ihren Selbstwert fast durchweg über die eigene Figur ermitteln. Im Laufe der Zeit gerät diese Einstellung außer Kontrolle und die Betroffenen schießen quasi über das Ziel hinaus. Es wäre falsch, hier zu behaupten, dass die schlanken Models oder die dünnen Hollywoodstars Auslöser sind und so junge Frauen in die Krankheit treiben. Es ist vielmehr der Schlankheitswahn allgemein. Auch die Zahlen zu den Essstörungen werden gerne falsch gewertet. Richtig ist, dass etwa 15 – 20 Prozent aller Frauen unter Essstörungen leiden. Allerdings stellt dabei die Magersucht die kleinste Gruppe da. Das wird gerne vergessen. Ein Verbot von Magermodels ist mit Sicherheit der falsche Weg. Insbesondere unterstellt schon die Auslegung „Magermodels“, das es sich hierbei um Frauen mit Magersucht handelt. Und genau das ist falsch. Dünne, schlanke Models die gesundheitlich unbedenklich leben, würden künftig damit diskriminiert werden.

Bild: CelebFashion.com – Flickr.